Weichenstellung
Gottesdienst am 31.12.2006

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
im Jahresrückblick der Gemeinde haben wir das vergehende Jahr noch einmal an uns vorüberziehen lassen. Wir haben uns bei Veranstaltungen wieder erkannt, die uns große Freude bereiteten. Wir haben Gesichter gesehen und sind an Ereignisse erinnert worden, die uns wichtig waren. Rückblicke sind notwendig, denn aus ihnen lernen wir. Sie sind Guthaben für die nächste Wegstrecke, sie ermutigen zum Weitermachen, vor allem, wenn wir in ihnen Gottes Fürsorge und Leitung erkennen können.

Das Volk Israel war viele Jahre unterwegs gewesen. Allein 40 Jahre sind sie durch die Wüste gezogen, immer mit dem Ziel vor Augen, endlich das versprochene Land besiedeln zu dürfen. Eine ganze Generation hat nur für diesen Traum gelebt. Josua durfte das Volk nach dieser Wüstenzeit ins Land führen. Diese Phase dauerte auch eine längere Zeit. Kanaanäische Stadtstaaten mussten erobert werden, Land urbar gemacht werden, die Stämme mussten sich in der neuen Umgebung arrangieren, Häuser bauen, sesshaft werden. Während dieser zähen Zeit der Landnahme, die sich weit schwieriger gestaltete, als viele anfangs dachten, hielt Gott seine Zusage, die er Josua ganz am Anfang gegeben hatte: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." (Josua 1,5)

Inzwischen hatten sich die Stämme eingerichtet und waren sesshaft geworden. Jeder wohnte in der eigenen Hütte, hatte ein bisschen Acker zu bebauen und Vieh im Stall. Es lag nahe, einfach weiter zu machen und die Zeit der Wüste zusammen mit dem dazu gehörigen Gott zu vergessen. Doch Josua gab sich mit diesem "Einfach-weiter Machen" nicht zufrieden. Er rief die Stämme an zentraler Stelle zusammen. Er hielt eine Lagerversammlung in Sichem ab, um die Leute an den roten Faden ihrer Geschichte zu erinnern, an Gott, der auch in dem neuen Land ihre Führung sein wollte.

Josua 24,1-13

Josua rief alle Stämme Israels zu einer Versammlung nach Sichem. Er ließ alle Ältesten, Oberhäupter, Richter und Aufseher kommen, und sie stellten sich vor Gott auf. Dann sagte Josua zum ganzen Volk:
"So spricht der HERR, der Gott Israels: 'Vor langer Zeit wohnten eure Vorfahren auf der anderen Seite des Eufratstromes und verehrten fremde Götter. Das ging so bis zu Terach, dem Vater Abrahams und Nahors. Aber dann holte ich euren Stammvater Abraham aus dem Land jenseits des Eufrats und ließ ihn im ganzen Land Kanaan umherziehen. Ich gab ihm Nachkommen durch seinen Sohn Isaak. Diesem gab ich zwei Söhne, Jakob und Esau. Esau wies ich das Bergland Seïr als Besitz an; Jakob und seine Söhne wanderten nach Ägypten aus. Zu den Nachkommen Jakobs, euren Vorfahren, schickte ich Mose und Aaron und ließ über Ägypten schweres Unheil kommen. Ich führte eure Vorfahren aus Ägypten heraus und brachte sie bis ans Schilfmeer. Als die Ägypter mit ihren Streitwagen hinter ihnen herjagten, schrien sie in ihrer Not zu mir um Hilfe. Da ließ ich zwischen ihnen und den Ägyptern eine undurchdringliche Finsternis entstehen, und dann ließ ich die Wellen des Meeres über den Ägyptern zusammenschlagen, so dass sie ertranken. Ihr wisst alle genau, wie die Ägypter meine Macht zu spüren bekamen. Dann seid ihr lange Zeit in der Wüste geblieben, bis ich euch in das Land der Amoriter östlich des Jordans brachte. Sie leisteten euch Widerstand, aber ich gab sie in eure Hand, und ihr konntet ihr Land in Besitz nehmen. Ich selbst vernichtete sie vor euch. Auch Balak, der Sohn Zippors, der König der Moabiter, stellte sich euch in den Weg. Er ließ Bileam holen, den Sohn Beors, damit er euch verfluchen sollte. Aber ich erhörte Bileams Gebet nicht. Gegen seinen Willen musste er euch segnen, und so rettete ich euch vor seinen Anschlägen. Dann habt ihr den Jordan überschritten und seid bis vor Jericho gekommen. Auch die Einwohner Jerichos kämpften gegen euch, aber ich gab sie in eure Hand, und ebenso alle anderen Einwohner des Landes, die Amoriter, Perisiter, Kanaaniter, Hetiter, Girgaschiter, Hiwiter und Jebusiter. Ich sandte einen gewaltigen Schrecken vor euch her, der vertrieb sie vor euch, genau wie zuvor die beiden Amoriterkönige auf der anderen Seite des Jordans. Mir habt ihr das zu verdanken, und nicht eurem Schwert und eurem Kriegsbogen! Dann gab ich euch dieses Land, um das ihr euch nicht gemüht habt, und seine Städte, die ihr nicht gebaut habt. Ihr wohnt darin und esst Trauben von Weinstöcken und Oliven von Bäumen, die ihr nicht gepflanzt habt.'"

Josua beginnt die Versammlung mit Dank, er dankt Gott für die Führung bis hierher. Er würdigt Gottes Anteil an der Geschichte. Er stellt heraus, dass Gottes Handeln nicht an Landesgrenzen oder Naturgesetze gebunden ist. Gott hat den Israeliten ein Land gegeben, um das sie sich nicht gemüht hatten, dessen Städte sie nicht gebaut und dessen Weinberge sie nicht gepflanzt hatten. Obwohl natürlich jede und jeder der Anwesenden ihren und seinen Beitrag zu der neuen Besiedelung leisteten, waren sie nicht die entscheidenden Impulse, um dem Volk eine Heimat zu verschaffen. Im Rückblick entsteht Dankbarkeit, dass Gott seine Zusage an Josua wahr gemacht hat, ihn und das Volk nicht fallen ließ und verließ. Aus der Dankbarkeit wird das Verhältnis zu Gott neu gefestigt, man kann sich auch für die nächste Wegstrecke auf ihn verlassen.

Mit unserem Rückblick auf das Gemeindeleben in Neuenhain wird unser Augenmerk auch auf Gottes Anteil an diesem Jahr gerichtet. Wenn wir unsere Aktionen anschauen, wird deutlich, dass Jesus Christus in der Gemeinde gewirkt hat. Nicht wir haben viel bewegt, Leute angesprochen, Feste veranstaltet oder Aktionen gemanagt, sondern Jesus Christus hat die entscheidenden Impulse gegeben. Er hat neue Menschen in die Nachfolge gerufen. Er hat Heilung geschenkt an Körper, Seele und in Beziehungen. Er hat unseren Zusammenkünften Freude geschenkt und uns vor Katastrophen und Unfällen bewahrt. Unser Beitrag zu diesem zu Ende gehenden Jahr ist wie die Verlängerung des Armes Gottes zu sehen, von dem der Bewegungsimpuls kommt.

Der Rückblick auf das persönliche Jahr wird Höhen und Tiefen beschreiben. Wir haben jetzt keine Präsentationen von unseren persönlichen Jahren vorbereitet. Die Bilder jedoch sind in unseren Köpfen gespeichert. Wichtig ist, dass wir wie Josua erkennen, wo Gott uns Vergebung und Heilung geschenkt hat, dass er uns Entlastung schenkt gegenüber den Menschen, an denen wir schuldig geworden sind, und dass er uns hilft, die noch offenen Prozesse und Wunden voller Vertrauen ihm anzubefehlen.

Rückblick bedeutet Bestandaufnahme. Da stehen wir jetzt mit viel Positivem, für das wir Gott danken. Das Negative übergeben wir ihm, denn Gott ist Herr über alles. 

Vergleiche ich diesen Tag heute mit Bergtouren, so kommt mir ein Hüttenaufenthalt während einer Monte-Rosa- Durchquerung in den Sinn. Wir saßen auf einer Hütte auf 4600m. Hinter der Hütte fiel die Monte-Rosa-Ostwand steil mehrere tausend Meter nach Italien ab. Auf den anderen Seiten der Hütte ragten hohe 4000-er auf. Wir hatten auf dieser Hütte scheinbar eine Wahl. Wir konnten sagen: Ich will mit meinem Bergführer morgen weitergehen, weil er weiß, wie der weitere Weg aussieht, und mir helfen kann, meine Bergtour sicher fortzusetzen. Wir konnten auch sagen: Nein, diesen Bergführer, mit dem ich schon ein paar Tage unterwegs war, will ich nicht mehr, ich suche mir jetzt an den Tischen einen Neuen. Vielleicht ist der besser drauf. Noch eine Möglichkeit wäre gewesen, auf einen Bergführer zu verzichten und die Tour auf eigene Faust fortzusetzen. Dabei wäre auf jeden Fall Geld gespart worden (Rettungsflugkosten mal nicht eingerechnet ...). 

Josua stellte das Volk in Sichem vor diese Alternativen: Wollt ihr mit dem Gott weitergehen, der euch bis hierher gebracht hat? Wollt ihr andere Götter ausprobieren? Wollt ihr es allein schaffen?

Josua 24,14-15

"Darum nehmt nun den HERRN ernst und ehrt ihn", fuhr Josua fort, "dient ihm mit ganzer Treue! Trennt euch von den Göttern, die eure Vorfahren jenseits des Eufrats und in Ägypten verehrt haben, und dient dem HERRN! Wenn ihr dazu nicht bereit seid, dann entscheidet euch heute, wem sonst ihr dienen wollt: den Göttern, die eure Vorfahren im Land jenseits des Eufrats verehrt haben, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr jetzt lebt. Ich und meine ganze Hausgemeinschaft sind entschlossen, dem HERRN zu dienen."

Josua beantwortete die Frage für sich und seine Stammesgenossen eindeutig. Er wollte mit Gott weitergehen, der ihm bisher die Treue gehalten hatte. Wie soll es für uns weitergehen?

Mit Gott weiterzugehen, bedeutet, Jesus Christus zum Zentrum zu haben, ihm zu gehören. Die ersten Fragen am Morgen heißen nicht "Was ist für mich heute dran?", sondern "Was ist für dich, Jesus, heute dran? Welchem Menschen willst du heute durch mich begegnen? Welche Aufgaben willst du heute mit meiner Mithilfe anpacken?"

Wenn ich nicht für Jesus lebe, stelle ich mich automatisch in den Dienst anderer.

  • Ich diene mir selbst, bin mein eigener Bergführer. Ich setze meine Tour auf eigene Faust fort. Ich frage mich "Was ist für mich gut und richtig? Welche Menschen brauche ich heute? Welche Aufgaben bringen mich voran?" Bei diesem Kreisen um mich selbst werde ich zum Brummkreisel, der irgendwann erschöpft in der Ecke landet. Ich bleibe gefangen in mir, andere nehmen mich wahr als jemand, der nie eine Hand für sie frei hat.
  • Ich diene anderen, wähle einen anderen Bergführer aus, der nicht die Befähigung hat, eine Tour souverän durchzuhalten. Ich erwarte von einem anderen Menschen, dass er mir Lebenssinn gibt. Ich klammere mich an meinen Ehepartner, er muss mir Lebenssinn geben, er muss meine Sonne sein, die mir Kraft gibt. Ich klammere mich an meinen Chef, er soll mir die Anerkennung geben, nach der ich Sehnsucht habe. Ich klammere mich an meine Clique. Sie soll mich bestätigen. Mit ihr fühle ich mich stark, denn sie gibt mir Bedeutung. Doch dieses Klammern endet häufig in tiefster Einsamkeit. Der Ehepartner, der Chef, die Clique kann nicht meine Sonne sein. Sie wird mich über kurz oder lang wegstoßen, um sich zu befreien. Sie wird sich ausgenutzt und missbraucht fühlen und keinen Halt mehr geben können.
Jesus ist der Bergführer, der mich sicher durch das Leben bringen kann. Er hat die Energie, meine leeren Batterien aufzuladen. Er kann mir die Wertschätzung geben, die kein Mensch mir geben kann. Er bringt mich zu Gott und eröffnet mir Freiheit.

Ich allein gehe im Kreis und komme nicht ans Ziel, mit anderen Gleichgesinnten zusammen reißen wir uns auf der Tour gegenseitig in den Tod. Deshalb können und sollten wir heute eine neue WeichenstellungWeiche für das neue Jahr vornehmen. "Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen", ist das Ja-Wort zu Gottes Angebot, uns auch im neuen Jahr zu führen.

Josua 24,22-24

Da sagte Josua: "Ihr seid Zeugen gegen euch selbst, daß ihr euch für den HERRN entschieden habt und ihm dienen wollt." "So ist es!" sagten sie. "Dann schafft die fremden Götter fort, die ihr noch bei euch habt!" sagte Josua. "Wendet euch mit ganzem Herzen zum HERRN, dem Gott Israels!" Das Volk antwortete: "Wir wollen dem HERRN, unserem Gott, dienen und auf seine Weisungen hören."

Das Ja zu Gottes Führung hat Konsequenzen. Wir können uns nicht von verschiedenen Führern leiten lassen. Das Ja zu Gott bedingt ein Nein zu anderem, das uns im Griff halten will. Um dem auf die Spur zu kommen, was uns festhält und daran hindert, Gott allein zu vertrauen, hilft es, uns zu fragen: "Woraus beziehe ich Anerkennung und Lebensinhalt? Wer oder was ist meine Sonne, um die ich kreise und von der ich erwarte, dass sie mir Lebenskraft schenkt? Was halte ich fest, dass keine Hand mehr für Gott frei ist?"

Im ehrlichen Beantworten der Fragen kommen wir vielleicht dem auf die Spur, was wir loslassen müssen:

  • Glücksbringer, Steine, Horoskope, weil Gott allein meine Zukunft in der Hand hält.
  • Den Ehepartner, von dem ich mein ganzes Glück erwarte, obwohl er auch ein bedürftiger Mensch ist.
  • Verletzungen, die mir ein anderer zugefügt hat, weil nur Vergebung mich frei macht.
  • Mein Bild von mir selbst, wie ich gerne wäre, weil Gott sonst keine Chance hat, mich zu verändern.
  • Meinen Lebensplan, weil ich sonst nicht frei bin, Gottes Führung zu vertrauen.
Das Ja äußert sich in dem fortwährenden vertrauensvollen Gespräch mit Jesus. Ihm kommt es nicht darauf an, dass ich möglichst viel im neuen Jahr für ihn tue, sondern dass ich möglichst oft nach ihm frage und mich an ihm orientiere, hineinwachse in seinen Willen. 

Josua stellte einen Stein in Sichem auf als Zeichen für den Bundesschluss zwischen Gott und seinem Volk. Dieses Zeichen ist für uns die Krippe in Bethlehem. Gott hat sein Ja gegeben. Er ist nicht mehr der ferne Gott, sondern unser Vater. Wer zur Krippe kommt, sagt Ja und willigt in den Bund ein. Wir stehen nicht nur als Einzelne an der Krippe, sondern als Volk Gottes, das in Fürbitte und gemeinsamem Glauben Halt gibt.

Einladung zum persönlichen Gebet:

  • Dank: Ich danke Dir für alles, was du mir 2006 Gutes getan hast.
  • Bekenntnis:
    • Ich bringe Dir meine Unzulänglichkeiten.
    • Ich bringe Dir meine Verletzungen.
    • Ich bringe Dir meine falschen Abhängigkeiten.
  • Bitte: Ich bringe Dir meine Sehnsüchte, Hoffnungen, Träume.
  • Fürbitte: Ich nenne Dir zwei konkrete Menschen, für die ich bete.
Cornelia Trick


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Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
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