Leben im Licht
Gottesdienst am 29.05.2005

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
seit ein paar Tagen steht diese Solarlampe im Garten. Sie wird von Sonnenlicht gespeist, speichert die Energie und gibt sie als Licht wieder ab. Solarlampe beim AufladenFür mich ist diese Gartenlampe ein Bild für unser Sein in Christus. Wir sind erwählt und erlöst. Wir stehen im Licht. Der Heilige Geist ermächtigt uns, das aufgenommene Licht weiterzugeben. Gott will, dass wir in seinem Licht stehen, sein Licht aufnehmen, speichern und es an unsere Umgebung weitergeben. Haben wir uns letzten Sonntag daran erinnern lassen, dass Jesus Christus uns ruft und eint, werden uns heute die Folgen des "In-Christus-Seins" beschäftigen. Was kann eine Solarlampe, wenn sie in der Sonne steht bzw. stand?

Der Apostel hatte dies zum Thema des Epheserbriefes gemacht. Er sah die große Möglichkeit der Gemeinde, die ihre heidnische Vergangenheit hinter sich gelassen hatte. Sie konnte sich ganz von Jesus Christus prägen lassen. Er sah aber auch die Gefahr für diese Gemeinde, dass sie ihr Licht selbst auslöschte, sich dem Vergangenen wieder anpasste, sein wollte wie alle in ihrer Umgebung. Deshalb wählte der Apostel deutliche Worte: Ihr seid Licht, lebt nun auch als Menschen des Lichts!

Epheser 5,8-14

Jetzt seid ihr Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Lebt nun auch als Menschen des Lichts! Aus dem Licht erwächst als Frucht jede Art von Güte, Rechtschaffenheit und Treue. Fragt immer, was dem Herrn gefällt! Beteiligt euch nicht an dem finsteren Treiben, das keine Frucht hervorbringt. Im Gegenteil, deckt es auf! Man muss sich schämen, auch nur zu nennen, was manche heimlich tun. Wenn es aber vom Licht, das ihr ausstrahlt, aufgedeckt wird, kommt es ans Licht. Und was ans Licht kommt, wird selbst Licht. Darum singen wir:
"Wach auf, du Schläfer!
Steh auf vom Tod!
Und Christus, deine Sonne,
geht für dich auf." 

Als Menschen des Lichts zu leben, lässt uns durchlässig nach zwei Seiten sein, hin zu Gott, der uns in sein Licht stellt und hin zu unseren Mitmenschen, die von diesem Licht durch uns erreicht werden. Als eine solche Solarlampe haben wir auf drei Faktoren zu achten:

  • Wir sind abhängig von der Lichtquelle Gott. Nichts darf zwischen Gott und uns stehen, sonst bleiben wir im Schatten und können keine Lichtenergie aufnehmen. Auf engste Gemeinschaft ist zu achten.
  • Wir müssen darauf achten, selbst intakt zu sein. Unsere Solarzellen müssen funktionieren, die Leitungen und Glühdrähte müssen in einwandfreiem Zustand sein.
  • Um uns herum muss etwas sein, dem wir Licht geben können, das unser Licht braucht. 
Paulus hat für sich selbst seine Existenz nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte so beschrieben: "Was liegt schon an meinem Leben! Wichtig ist nur, dass ich bis zum Schluss den Auftrag erfülle, den mir Jesus, der Herr übertragen hat." (Apostelgeschichte 20,24)

Bringt Frucht!

Um dem Auftrag Jesu nachzukommen, ist es notwendig, mit einer Inspektion bei uns selbst anzufangen. Sind unsere Prioritäten dementsprechend gesetzt? Geht es uns im innersten Herzen darum, für Jesus zu leben und ihm mit unserem Alltag ein Loblied zu singen?

Ich will das wirklich, aber ich merke, dass ich auch noch anderes will. Ich gebe mich nicht zufrieden, mit dem was ich habe. Ich möchte weiterkommen, mich weiterentwickeln. Aber das nicht unbedingt, um Jesus eine Freude zu machen, sondern um mitzuhalten mit anderen, meinen Ehrgeiz zu befriedigen, von anderen Beifall zu bekommen. So geht es mir nicht immer darum, meine Solarzellen auf Jesus, das Licht, auszurichten, sondern auf andere Lichtquellen. Beifall anderer kann solch eine scheinbare Lichtquelle sein. Meine Energien setze ich darauf, erfolgreich zu sein, von anderen gut angesehen zu werden und möglichst nicht anzuecken. Zwar wundere ich mich hin und wieder, dass ich so atemlos werde, abends erschöpft in den Schlaf sinke und morgens mit einem Stein auf dem Herzen aufwache, doch ich merke nicht, dass es an meiner falschen Energiequelle liegt. Ich merke nicht, dass der Beifall kommt, weil andere mich ausnutzen, auf meine Kosten leben, sich innerlich über mich lustig machen. Und klappe ich endgültig zusammen, sind alle Bewunderer verschwunden, die scheinbare Lichtquelle bleibt dunkel.

Auch ist mir klar, dass ich ein Durchlaufposten für die Liebe, das Licht Jesu bin. Doch auch da muss ich mich selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Manche Verbindungen zwischen Jesu Licht und dem Licht, das ich weitergeben soll, sind morsch und brüchig geworden. Es ist mir kaum aufgefallen, wie sehr ich mich bemühe, Licht zu bekommen und wie wenig ich davon weitergeben will. Meine Gebete sind lange To-Do-Listen für Jesus: "Jesus, schenke mir! Jesus, gib mir! Jesus, ich brauche! Jesus, lass mich nicht hängen!" Ich kreise um mich selbst. Ich bin unersättlich, sein Licht aufzunehmen, aber ich verschwende wenig Energien, dieses Licht abzugeben. Bin ich mit anderen Christen zusammen, fällt das kaum auf, sie geben ja auch etwas Licht ab, da wird es dann in Summe schon heller. Bin ich an meinem Arbeitsplatz, sieht es ganz anders aus. Da bin ich inkognito, wen geht mein Glaube etwas an. Was gehen mich die anderen an. Warum sollte ich mich mit ihren Problemen behängen. Warum sollte ich mich in ihr Leben einmischen. 

Der Epheserbrief deckt diesen Zustand in mir drinnen auf. Er erinnert mich, dass ich Verantwortung für mich selbst trage und sehr wohl Einfluss darauf habe, ob Licht in mich eindringt und Licht von mir ausstrahlt. Er fragt nach der Frucht, nach dem Auftrag meines Lebens. Drei Begriffe können diese Frucht verdeutlichen: Güte, gerechtes Verhalten, Treue. Sie zeigen die Richtung an, in der ich meinen Alltag führen kann, in der Offenheit für Gott und die Mitmenschen.

Fragt, was dem Herrn gefällt

Wenn die Solarlampe nur alle zwei Tage ins Licht gestellt wird, kann sie in der Nacht kein Licht spenden, sie wird zu wenig aufgeladen. So geht es uns, wenn wir nicht regelmäßig und häufig die Gegenwart Gottes suchen. Und es macht auch wenig Sinn, eine Solarlampe bei Nacht aufladen zu wollen.

Doch genauso mache ich es oft. Ich möchte Gottes Gegenwart nachts erfahren, ich suche ihn auf in den Randstunden meines Alltags, wenn ich eigentlich zu müde bin, um etwas aufzunehmen. Ich versuche Zeit zu sparen für angeblich wichtigere Dinge und Jesus kommt dann irgendwann in einen Zeitschlitz. Bei der Solarlampe funktioniert das nicht. Bei mir eigentlich auch nicht. Abends um zehn und morgens zwischen Tür und Angel ist mein Kopf wie ein Sieb. Nichts bleibt hängen, nichts kann eindringen in meine Grundhaltung, nichts kann mich verändern.

Es ist nötig, die Gegenwart des Lichtes Jesu dann intensiv aufzusuchen, wenn ich aufnahmebreit, wach und ungestört bin. Wann ist das? Ich merke, dass ich mir dafür bewusst Platz reservieren muss. Niemand übernimmt das für mich. Ich brauche außer einer guten Zeit auch einen guten Platz, an dem ich ungestört bin. Wenn ständig einer was von mir will, das Telefon klingelt, meine Gedanken beim nächsten Programmpunkt sind, kann ich das Licht nicht aufnehmen, es ist, als würden ständig irgendwelche Gestalten Schatten werfen. Mich von Jesus erfüllen zu lassen, mich von ihm leiten zu lassen, bedeutet auch, Formen zu finden, in denen ich ihm begegne. Für manche ist es das Singen, Beten, die Musik, das Lesen der Bibel, die Gemeinschaft im Hauskreis, ein Spaziergang mit Jesus an der Seite. Für manche ist es intensives Bibelstudium am Schreibtisch, ein Handwerk, bei dem sie Jesus nahe kommen und ihm begegnen. Für mich ist es eine Stunde am Morgen, in der ich in meiner Bibel arbeite und sie mir Jesus erschließt. Wenn ich diese Stunde nicht habe, merke ich das, die Energie für den Tag fehlt, die Solarzellen sind nicht aufgeladen.

Wenn Sie ihre Zeit, ihren Ort und ihre Weise gefunden haben, wie Sie Gemeinschaft mit Jesus Christus leben können, dann erzählen Sie das den Menschen, die mit ihnen leben. Aus einem einfachen Grund, dass diese Leute Sie in dieser Zeit in Ruhe lassen und alles von Ihnen abschirmen, was diese wichtige Begegnung stören könnte. 

Der Apostel ermutigt uns, darauf zu achten, was dem Herrn gefällt. Da es keine Gebrauchsanleitung für Christen gibt, erschließt sich das Gefallen Jesu nur in der Zwiesprache mit ihm. Gönnen wir uns das Aufladen, dass wir prüfen können, was Jesus von uns hier und heute will.

Deckt auf!

Die Aufgabe der Solarlampe ist es, in dunklen Stunden gespeichertes Licht abzugeben. Solarlampe beim LeuchtenDas Problem ist, dass wir oft genau mit dieser Aufgabe unsere Schwierigkeiten haben. Hass, unvergebene Verletzungen, Rachegefühle, Probleme mit der Persönlichkeit des anderen lassen unser Licht nicht beim Gegenüber ankommen. Zwar wird niemand von uns ein Schild um den Hals tragen mit der Aufschrift "Ich hasse dich", doch unterschwellig wirken diese Gefühle auf unser Gegenüber. Eine Frau erzählte, sie hätte große Schwierigkeiten mit einer Bekannten. Sie wolle sie mit Jesus bekannt machen, aber sie könne ihr nicht verzeihen, wie die sie einmal verletzt und ihr Vertrauen missbraucht habe. Ein paar Tage später traf ich zufällig diese Bekannte. Sie erzählte, dass sie Angst vor der Frau habe, sie würde fühlen, dass die sie hasse. Nun, die Frau hasste die Bekannte nicht offensichtlich, im Gegenteil, sie wollte sie zu Jesus führen. Aber bei der Bekannten ist Hass angekommen, nicht Licht von Jesus.

Der Apostel ermutigt uns, die Dunkelheit aufzudecken und ans Licht zu bringen. Er ermutigt uns, Vergebung zu leben und mit uns selbst anzufangen. Jesus sagte in der Bergpredigt (Matthäus 5,23-24). Wenn du zum Altar gehst, um Gott deine Gabe zu bringen, und dort fällt dir ein, dass dein Bruder oder deine Schwester etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuerst hin und söhne dich aus. Danach komm und bring Gott dein Opfer.

In die Umgebung zu leuchten, den Auftrag Jesu zu erfüllen und Schuld bestehen zu lassen, funktioniert nicht. Die Schuld, die zwischen Menschen steht, ist der größte Schatten, der Licht vertreibt. So wichtig ist dieser Punkt, dass Jesus ihn ausführlich in seine Lebensregeln für Christen aufnimmt. Natürlich kann es sein, dass der Bruder oder die Schwester das Versöhnungsangebot ausschlägt, doch dann sind klare Verhältnisse geschaffen und das Licht kann aufdecken und heilen, vielleicht erst nach einiger Zeit. Wir können Gott nicht unser Leben geben und auf der anderen Seite in Schuld verstrickt bleiben. Und nehmen wir die Anweisung Jesu wörtlich, dann gibt es vor dem Kollekteneinsammeln im Gottesdienst wohl ein heiliges Rennen, wo einer zu der anderen geht, um die Hand der Versöhnung zu reichen und das Licht wieder ungehindert scheinen zu lassen. Entlastend, reinigend und hilfreich wäre dieser Spurt vor der Kollekte. Ein neuer Anfang der Mission, wo nichts die Liebe und Erlösung durch Jesus verdunkeln kann.

Wach auf, du Schläfer!

Die Worte des Epheserbriefes ermahnen uns, das Licht Jesu, seine Erwählung, seine Erlösung, seine Kraft durch den Heiligen Geist ganz intensiv, regelmäßig und wach aufzunehmen. Sie ermutigen uns, unseren Standort bewusst bei ihm zu wählen und uns nicht vom Beifall anderer, unserem inneren Ehrgeiz und der Gier nach Mehr weglocken zu lassen.

Sie erinnern uns, dass wir Licht weitergeben sollen und das nur geschehen kann, wenn wir mit unserer Umgebung im Frieden leben und Versöhnung von uns aus initiativ vorantreiben.

Es ist so ein wunderbares Leben, das sich uns als Lichtempfänger und Lichtquellen erschließt. Wir sind nicht tot, sondern leben. Wir dürfen den Segen der Sonne Jesus erfahren und in ihm wachsen. Wir dürfen den Auftrag erfüllen, den er unserem Leben gegeben hat: für ihn da zu sein und ihn bekannt zu machen - vor unserer Haustür, wo es sonst dunkel bliebe.

Cornelia Trick


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