Kreuzungen auf dem Weg (Jesaja 55,6-13)
Gottesdienst am 24.2.2019 in Brombach

Liebe Gemeinde,
vor zwei Wochen bin ich nachts mit dem Auto unterwegs gewesen und vor einem schlimmen Unfall mit viel Blaulicht, Feuerwehr und Rettungswagen zum Stehen gekommen. Eigentlich wollte ich an diesem Abend schon früher aufbrechen, aber es gab noch dies und das zu besprechen, so zog sich alles in die Länge. War das Bewahrung? Wäre ich in die Unfallstelle verwickelt worden, wenn es nach meinem Plan gegangen wäre? Für mich habe ich das mal so interpretiert und als Bewahrung erlebt.

Immer wieder erlebe ich – und Sie wahrscheinlich auch, dass Pläne durchkreuzt werden, unser Weg anders verläuft, als wir es uns vorgestellt hatten. Nur selten erfahren wir, warum es so war. Und nicht alle verpassten Chancen oder gesperrten Wege sind sicher Gott zuzuschreiben.

Doch können durchkreuzte Wege weit mehr sein, als blindes Schicksal oder Zufall, sie können bedeutet, dass Gott uns für einen Weg rettet, den er für uns als den besseren sieht.

Die Israeliten befanden sich weitab der Heimat in babylonischer Gefangenschaft. Sie jammerten und trauerten. Sie fühlten sich von Gott verlassen und sehnten sich nach allem, was sie verloren hatten. Ihnen gibt der Prophet Jesaja eine neue Perspektive auf ihre Not. Der abgebrochene Weg kann dazu führen, dass die Israeliten einen neuen Weg finden, der gut für sie ist.

Das kann uns auch heute helfen. Wir sitzen nicht in Babylon fest, aber gefühlt sitzt mancher vor einer Sperrung und meint, er kommt nicht weiter. Das Wort des Propheten aus ferner Zeit kann in sein und ihr Leben sprechen. Ich entfalte es in drei Kapiteln.

Gott suchen und finden
Jesaja 55,6-7
Sucht den HERRN, jetzt ist er zu finden! Ruft ihn, jetzt ist er nahe! Wer seine eigenen Wege gegangen ist und sich gegen den HERRN aufgelehnt hat, der lasse von seinen bösen Gedanken und kehre um zum HERRN, damit er ihm vergibt! Denn unser Gott ist reich an Güte und Erbarmen.

Im Exil damals 570 vor Christus war Gott wohl in aller Munde. Man brachte das eigene Schicksal mit ihm zusammen, fragte, ob er Israel verlassen hatte, überlegte, ob das eigene Verhalten daran schuld sei. 

Heute erlebe ich das anders. Wenn ich mit meiner Nachbarin über Lebensführungen, die ihr Mühe machen, ins Gespräch komme, ist Gott für sie kein Thema. Den kennt sie nicht, und von dem erwartet sie auch nichts. Für ihr Schicksal fühlt sie sich selbst verantwortlich und hofft auf günstige Umstände, die die Talfahrt stoppen. Manchmal versuche ich, ihr den Himmel etwas zu öffnen, erzähle ihr, wie ich in solchen Situationen bete und dass ich für sie bete, bitte sie, Gott eine Chance zu geben, sich in ihrem Leben zu zeigen.

Was für eine Zusage macht uns Gott durch die Worte des Propheten: Gott ist jetzt da. Wir müssen nicht 8 Wochen auf den Termin warten wie beim Facharzt, sondern er steht jederzeit bereit, wartet auf unsere Anfrage, will uns helfen, dass wir nicht von Gerüsten, Klippen und hohen Bergen abstürzen. Und so kann meine Nachbarin es einfach ausprobieren, schauen, was passiert und wo Gott für sie sichtbar wird.

Für uns Christen ist es klar, Jesus hat immer ein offenes Ohr für uns und eine freie Hand, um uns festzuhalten. Was also bedeuten Jesajas Worte für uns? Offenbar gehört zu dieser Standleitung zu Gott auch eine Lebensweise, die dazu passt:

  • Ich lasse mich von Gott stören.
  • Ich nehme Umwege aus seiner Hand.
  • Ich vertraue, dass er mir hilft.
  • Ich nehme seine Vergebung in Anspruch.
Jesaja nennt die bösen Gedanken, und die liegen oft so gut verborgen hinter unserer gut eingeübten christlichen Fassade. Es sind Gedanken, die in uns Neid auf andere wachsen lassen, die sich hochmütig über das Schicksal anderer erheben, die kleingläubig Gottes Möglichkeiten unterschätzen und die an Schuld festhalten, weil man sich doch im Recht fühlt. Solche Gedanken stören die Kommunikation mit Gott, sie stören sein Helfen und seine Wegweisung, damit wir auch bei Vollsperrungen noch Wege in die Zukunft erkennen können.

Gottes Möglichkeiten
Jesaja 55,8-11
»Meine Gedanken – sagt der HERR – sind nicht zu messen an euren Gedanken und meine Möglichkeiten nicht an euren Möglichkeiten. So hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken hinaus über alles, was ihr euch ausdenkt, und so weit übertreffen meine Möglichkeiten alles, was ihr für möglich haltet. Wenn Regen oder Schnee vom Himmel fällt, kehrt er nicht wieder dorthin zurück, ohne dass er etwas bewirkt: Er durchfeuchtet die Erde und macht sie fruchtbar, sodass sie Korn für das tägliche Brot hervorbringt und Saatgut für eine neue Ernte. Genauso ist es mit dem Wort, das ich spreche: Es kehrt nicht unverrichteter Dinge zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und führt aus, was ich ihm auftrage.«

Meine Erfahrung ist, dass Gebetserhörungen meistens anders geschehen, als ich es mir gedacht hatte. Da bete ich, dass Beziehungen gerettet werden, manchmal dauert das lange oder geschieht so gar nicht. Da bete ich um spontane Heilung, doch der Heilungsprozess zieht sich. Da betet jemand um einen Arbeitsplatz, dann bekommt er ihn auch, aber es stellt sich heraus, dass der ganz anders ist als von Gott erbeten. Diese Gebetserhörungen sind oft wie die Unterseite eines geknüpften Teppichs, das Muster kann man nur vage erkennen, dafür viele verknotete Fäden. Und die Hoffnung ist, einmal bei Gott die Vorderseite unseres Lebensteppichs anzuschauen und die Muster zu entdecken.

Jesaja lenkt unseren Blick weg von den eigenen Knoten, Niederlagen, Wegsperren. Er möchte uns Abstand verschaffen. Gott ist ein großer Gott, wir begrenzte Menschen. Alle Möglichkeiten liegen in seiner Hand, wir kennen nur unsere kleine Welt. Seine Zusage steht:

  • Ich will dein Bestes!
  • Egal, was kommt, ich lasse dich nicht los!
  • Dein Leben reicht weiter als die Zeitspanne hier auf Erden.
Diese Zusage soll ich in mein Herz fallen lassen wie Regen oder Schnee. Ich soll sie aufnehmen wie ein Ackerboden. Dafür brauche ich Atempausen im Alltag, eine ruhige Minute, in der ich Gott mein Herz öffnen kann, die Hände ihm entgegenhalte und mich bewusst aus dem Alltagskarussel ausklinke. Für diese Atempause bin ich selbst verantwortlich, und sie sollte täglich stattfinden, einmal die Woche am Sonntagmorgen reicht wahrscheinlich nicht. Denn je öfter ich mich Gottes Regen hinhalte, desto leichter kann er in meinem Leben Veränderung bewirken, mich in seine Richtung bewegen und von den Vollsperrungen weg auf freie Wege in die Zukunft lotsen.

Wenn wir das Bild weiter ausmalen, dann entwickeln sich noch neue Aspekte. Ein durchtränkter Ackerboden bringt Korn hervor, das zu Brot wird, das Menschen satt macht und sie erfreut.

Eine, die von Gott getränkt in den Tag geht, wird Gottes Liebe leben können, andere anstecken, ihnen Hilfe sein, sie erfreuen.

Wir können es ausprobieren und schon heute anfangen – fünf Minuten still sein, das Wort der Verheißung in uns aufnehmen und warten, was es mit uns macht. Mehr ist nicht nötig.

Der Weg in die Freiheit
Jesaja 55,12-13
Unter Jubel werdet ihr den Weg in die Freiheit antreten, mit sicherem Geleit werdet ihr heimkehren. Berge und Hügel werden in ein Freudengeschrei ausbrechen, wenn sie euch sehen, und die Bäume der Steppe werden in die Hände klatschen. Wo ihr durchzieht, wachsen statt Dornbüschen Zypressen und statt Brennnesseln Myrten. Dies alles geschieht, damit der HERR gerühmt und gepriesen wird. Er setzt sich damit ein Denkmal, das alle Zeiten überdauert.

Durchkreuzte Pläne führen zu Gottes Weg. Keine Dornen und Disteln werden die Beine zerkratzen, sondern Zypressen und Myrten werden ihren Duft verströmen.

Das von Jesaja gezeichnete Bild erinnert mich an Palmsonntag, Jesu Einzug in Jerusalem vor seiner Kreuzigung. Da empfanden die jubelnden Menschen am Weg etwas von Gottes Heil, fühlten sich vom Himmel berührt, hofften darauf, dass nun alles anders würde.

Die Offenbarung des Johannes beschreibt so den Himmel. Die Erlösten werden vor Gottes Thron stehen und ihm zujubeln. Kein Leid wird mehr sein, nur noch Freude, Lobgesang und Glück. Wir müssen aber nicht auf den Himmel warten, schon jetzt eröffnen sich immer wieder kleine Freiheitswege, berührt uns Gott mit seiner Nähe wie damals an Palmsonntag in Jerusalem. 

Es sind die Erfahrungen mit Gott, dass die harte Erde in unserem Herzen aufgebrochen wird. Dass wir jemand vergeben können, der in unserer Schuld steht. Dass wir der Zuneigung eines anderen trauen können, auch wenn wir Narben von Verletzungen auf der Seele mittragen. Dass wir einen Neuanfang wagen können und darauf vertrauen, dass Gott das so hat kommen lassen. Dass wir ohne Bitterkeit die verpassten Chancen hinter uns lassen und uns dem Guten Hirten Jesus anvertrauen, der uns führen wird.
Wo wir das erleben, können wir feiern und andere anstecken mit dieser Freude, dass auch sie Gott eine Chance in ihrem Leben geben.

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. (Römer 8,28)

Cornelia Trick


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