10 Jahre später
Aufsatz aus der Zeitschrift "unterwegs"

"Die Mauer ist vor zehn Jahren gefallen." In einer kleinen Gesprächsrunde kamen wir auf dieses Thema zu sprechen. Autokennzeichen DEiner erzählte, wie er sich ein Stück dieser Mauer aufbewahrt hatte. Sie hängt an der Wand und erinnert ihn tagtäglich an diese unglaubliche Wende in der Geschichte. Andere erzählten, in welchen Situationen sie die Nachricht von der Öffnung der Mauer erwischte. Sehr bald fragten wir uns, was ist eigentlich in den 10 Jahren seither geschehen? Hat sich bei uns persönlich etwas geändert? Eine junge Frau berichtete, wie sie in diesen Jahren zum Glauben gekommen ist. Sie erzählte von ihrer atheistischen Erziehung und der großen Wende, die Jesus Christus in ihrem Leben vollzogen hatte. Sie erzählte, wie mit der einen Grenzöffnung vor 10 Jahren die für ihr Leben wichtigen Grenzöffnungen erst begannen. Ihr Vorurteil gegenüber dem christlichen Glauben wandelte sich in tiefes Vertrauen zu Jesus Christus. Sie verlor nach und nach die Angst, sich zu ihrem neuen Glauben zu bekennen. Sie erfuhr Gottes Nähe in den manchmal schwierigen Gesprächen, das machte ihr Mut. Sie erlebte, wie dieser Glaube eine ganz neue Bindung zu Menschen schuf. Egal, wo sie sich aufhielt, immer stieß sie auf Christen, die sie freundlich und zuvorkommend aufnahmen und ihr das Gefühl gaben, nicht allein in einem fremden Land, in einer fremden Stadt zu sein. Und so hat sie schließlich auch zu ihrer jetzigen Gemeinde gefunden, die ihr Heimat in neuer arbeitsbedingter Umgebung bot. Das Zeugnis dieser Frau bewegte uns. Ist das bewusste Ja zu Jesus Christus nicht auch eine Grenzöffnung? Eine Grenzöffnung, die uns die Sicht auf Gottes Liebe zu seiner Welt freigibt. Eine Grenzöffnung, die uns in Verbindung zu Menschen bringt, die dem gleichen Herrn vertrauen. Eine Grenzöffnung unserer eigenen Möglichkeiten, die durch Gottes Kraft ausgeweitet werden. Diese Grenzöffnung hat wahrhaftig ein Jubiläum verdient. Nach ein paar Jahren ist es dran, Zwischenbilanz zu ziehen und zu fragen, was hat die Grenzöffnung denn tatsächlich verändert? Wo stehe ich jetzt, 10 oder 5 Jahre später? Und habe ich vielleicht längst wieder neue Mauern gebaut, die mich von den Möglichkeiten Gottes abgeschnitten haben?
In unserer kleinen Runde kamen wir an diesem Abend kaum zu Ende. Wir beschlossen Fortsetzung zu machen und die Jubiläen von Gottes Grenzöffnungen bewusster zu feiern. Sie erinnern an das große Fest, in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen zu sein, und sie machen Mut, diesem Gott für die nächste Wegstrecke mit all ihren Hindernissen, Grenzen und Mauern zu vertrauen.

Cornelia Trick
Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich.
Wandle sie ihn Weite; Herr, erbarme dich.
Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke; Herr, erbarme dich.
Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Heimat; Herr, erbarme dich.
Eugen Eckert


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Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
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